Telegram ICO soll 1,2 Milliarden USD erzielen!

Telegrams ehrgeiziger ICO soll 1,2 Milliarden USD erbringen, um das nächste Ethereum zu schaffen

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Telegram will seine Popularität in der Krypto-Community nutzen, um über einen gewaltigen ICO das angekündigte Projekt „Telegram Open Network“ (TON) zu finanzieren. Jetzt sind das entsprechende Whitepaper und die Investorenprospekte durchgesickert.

Aus diesen Unterlagen lässt sich entnehmen, dass Telegram sich nicht damit zufrieden geben will, für seinen ICO bloß auf einer Plattform wie Ethereum aufzubauen, wie es die meisten ICOs tun. Vielmehr will man bei Telegram eine eigene Plattform schaffen, die Ethereum Konkurrenz machen soll. Auf dieser Plattform sollen dank Blockchain eine ganze Reihe neuer dezentralisierter Dienste angesiedelt und neu gegründet werden.

Telegrams ICO wird dabei, wenn alles nach Plan verläuft, einen Rekord aufstellen. Aber das ist nur der Anfang.

Das Unternehmen plant, die atemberaubende Summe von insgesamt 1,2 Milliarden USD einzunehmen. Davon sollen 600 Millionen USD im Vorverkauf ausschließlich an klassische Risikokapitalgeber und Personen aus dem Umfeld der Geschäftsführung gehen. In dieser ersten Phase, die von Januar bis Februar laufen wird, kann nur kaufen, wer dazu eingeladen ist.

Nach dem ICO Pre-Sale plant das Unternehmen im März einen öffentlichen ICO, der sich auch an Privatanleger richtet. Mit diesem Verkauf sollen ebenfalls 600 Millionen USD eingenommen werden, so dass der ICO insgesamt 1,2 Milliarden USD erzielen würde. Damit würde jeder andere, bisher erfolgte Tokenverkauf auf die Plätze verwiesen und der derzeitige Rekord von 257 Millionen USD, erzielt im September von Filecoin, weit übertroffen.

Über die Geldsumme hinaus, sticht der ICO auch deshalb heraus, weil er auf einem Produkt aufbaut, das viel mehr Kunden hat als jedes andere ICO Projekt bis heute. Wie im Prospekt erklärt wird, ist Telegram in Begriff, in diesem Jahr die Marke von 200 Millionen aktiven Nutzern zu überschreiten:

Im Oktober 2017 hat Telegram einen Stand von 170 Millionen monatlichen Nutzern erreicht und stellt pro Tag 70 Milliarden Nachrichten zu. Mindestens 500.000 neue Telegram-Nutzer kommen jeden Tag hinzu. Bei diesem Tempo wird erwartet, dass Telegram die Zahl von 200 Millionen monatlichen Nutzern im 1. Quartal 2018 erreicht. Diese Nutzerbasis kann die notwendige kritische Masse bieten, damit Kryptowährungen auf breiter Basis akzeptiert werden.

Ambitionen zum Betrieb des dezentralisierten Internets

Telegram ist am bekanntesten für seine Messaging-App. Nach Angaben von Telegram in den Unterlagen wird die App in mehr als 60 % aller ICO-Projekte für die Kommunikation innerhalb der Community verwendet. Der eigene ICO geht aber weit über eine bloße Monetarisierung dieses Chat-Services hinaus.

Vielmehr plant das Unternehmen, die Bausteine für ein dezentralisiertes Internet zu entwickeln. Damit könnten im Ergebnis dezentrale Apps (sogenannte „DApps“), Smart Contracts, zensurfreie Webseiten und vieles mehr geschaffen werden.

Die Präsentation nennt vier Komponenten:

  • Datenspeicherung in einem verteilten Dateisystem, ähnlich den Diensten von Dropcoin und des ICO-Unternehmens Filecoin
  • Einen Proxy-Service zur Schaffung dezentralisierter VPN-Dienste und TOR-ähnlicher, sicherer Browserumgebungen, die auf der Blockchain basieren
  • Dienste für dezentrale Apps, Smart Contracts und dezentralisierte Browsermöglichkeiten
  • Zahlungen für Mikrozahlungen und Peer-to-Peer-Transaktionen

Mit dem Zusammenfügen dieser Komponenten könnte Telegram zur Basis für eine neue Reihe von dezentralisierten Apps und Diensten werden, die auf der Blockchain beruhen. Damit könnte Telegram vom Betreiber einer Messaging-App zu einer Plattform für internetbasierte Inhalte avancieren. Dort könnten theoretisch auch Mikro-Paywalls errichtet werden, bei denen die Nutzer Nachrichten freischalten oder Abonnements für kleine Kryptobeträge kaufen. Darüber hinaus könnte Telegram potentiell auch ein großer Knotenpunkt für Zahlungen werden.

TON soll das Rückgrat für neue Arten von Internet-Diensten werden und zugleich bereits existierenden sozialen Netzwerken und Messagingdiensten den Einstieg ermöglichen.

Telegram erklärte, der Dienst „Play“, mit dem andere Entwickler Apps und andere Dienste auf TON aufsetzen können, könne „ein Zugangstor für massenmarktorientierte Projekte auf Blockchainbasis sein – ähnlich wie es Google Play und der App-Store derzeit für zentralisierte Applikationen sind“.

Alle diese Ziele erfordern natürlich die entsprechende Technologie und das 132-seitige Telegram-Whitepaper ist in diesem Punkt sehr detailreich. Die darin skizzierten Technologien werden derzeit von keinem anderen Projekt eingesetzt. Sie benötigen daher einige Zeit für die Entwicklung, fußen aber auf den fortlaufenden Bemühungen anderer Blockchain-Unternehmen oder sind von diesen inspiriert.

Komponenten der Telegram TON Blockchain

Die TON-Blockchain wird aus einer Master-Blockchain und 2 begleitenden „To-the-power-of-92“-Blockchains bestehen. Der auffälligste Aspekt ist, dass sie ein „Infinite Sharding Paradigm“ besitzen wird, um skalierbar zu sein. Daher sind TON-Blockchains darauf ausgerichtet, sich bei Bedarf „automatisch zu teilen und wieder zusammenzufügen, je nach aktueller Beanspruchung“. Damit würden neue Blöcke schnell geschaffen und das Fehlen langer Blöcke würde dazu beitragen, die Transaktionskosten niedrig zu halten, selbst wenn einige der Dienste auf der Plattform äußerst beliebt würden.

Darüber hinaus wird TON auch „Instant Hypercube Routing“ beinhalten, das darauf abzielt, die Blockchain auf Höchstgeschwindigkeit zu halten, selbst wenn sie wächst. Der eingesetzte „Proof-of-Stake“-Ansatz erzielt den notwendigen Konsens durch eine Variante des „Byzantine Fault Tolerant“-Protokolls, was wiederum die Geschwindigkeit und Effizienz erhöht. Zudem nutzt es zweidimensionale Distributed Ledgers. Damit kann TON neue, gültige Blöcke auf anderen Blöcken erzeugen, die sich als unkorrekt erwiesen haben. So werden unnötige Verzweigungen vermieden. Anders ausgedrückt bedeutet das, dass TON auf „Selbstheilung“ ausgerichtet ist.

Die dritte Generation der TON-Blockchain wird auf einem dynamischen „Proof-of-Stake“ beruhen, der von mehreren Parteien gesichert wird und ein hohes Maß an Fehlertoleranz bietet. Er ermöglicht auch die Speicherung der Identität, Zahlungen und Smart Contracts. Damit verlässt sich Telegram für das Schürfen seiner Währung nicht auf einen „Proof-of-Work“, sondern auf eine neue Methode, die weniger energiehungrig als Bitcoin ist.

Behauptet wird, dass mit dieser Methode auch eine weit größere Zahl von Transaktionen verarbeitet werden kann – etwa 1 Million pro Sekunde. In anderen Worten hätte Telegram damit ein ähnliches Ziel wie das Berliner Polkadot-Projekt, allerdings mit einer bestehenden Nutzerbasis von 180 Millionen Personen. Das macht es zu einer „Interchain“ mit sogenanntem „dynamischen Sharding“.

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Telegram CEO Pavel Durow

Große ICO Discounts und eine lange Wartezeit

Als die ersten Neuigkeiten zu diesem Projekt bekannt wurden, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf den ICO. Dabei gehen viele Investoren davon aus, dass dieser allein aufgrund des Hypes ein Erfolg werden wird.

Telegram verspricht für den Verkauf selbst die Erzeugung von fünf Milliarden seiner Gram-Tokens. Für diese Tokens soll das (Diamant)-Symbol genutzt werden und die Verteilung soll wie folgt aussehen:

  • 10 % werden als Entwicklungsanreiz für die Plattform gehalten, wobei Entwickler-Anreize inbegriffen sind
  • 4 % werden als Entlohnung für das Entwicklerteam einbehalten
  • 42 % verbleiben bei der TON-Reserve während der Anfangsphase des Projektes. Damit soll „die wachsende Kryptowährung vor Spekulanten geschützt und die Flexibilität in den frühen Phasen der Evolution des Systems gesichert werden“
  • 44 % werden handelbar sein, erklärte Telegram

Ein neuer Trend im Rahmen von ICOs, die auch als Tokenverkäufe, bekannt sind, ist es, in der Vorverkaufsphase große Rabatte zu gewähren. Damit sollen Großinvestoren – genannt: „Wale“ – angelockt werden. Telegram fordert von diesen eine Mindestinvestition von 20 Millionen USD. Diese Mindestsumme ist viel höher als jede andere bis heute im Rahmen eines Tokenverkauf aufgestellte Forderung. Im Gegenzug locken Rabatte von mehr als 50 Prozent. Nach Angaben in einem Investorenpapier glaubt Telegram, dass der Vorverkaufsrabatt 70 % des endgültigen Tokenpreises übersteigen könnte, obwohl die endgültigen Zahlen noch nicht bestätigt sind. Das ist irrsinnig viel.

Bei einem angestrebten öffentlichen ICO Endverkaufspreis von 0,97 USD würde das bedeuten, dass einige „Wale“ nur 0,31 USD pro Token zahlen müssten, so der Prospekt.

Aufgrund dieser enormen ICO Rabatte sieht Telegram eine variable Sperrzeit vor, die es den Investoren mit den größten Rabatten unmöglich machen würde, ihre Tokens zu verkaufen. An den Einzelheiten wird noch gearbeitet, aber die Sperrzeiten könnten von 3 bis zu 18 Monaten reichen, je nach Rabatt. Zudem besteht die Möglichkeit einer teilweisen Sperrzeit.

Zudem wird es eine ungewöhnlich lange Wartezeit geben, bevor die ICO Investoren, sowohl die Vorinvestoren und die Privatanleger, ihre Tokens erhalten. Telegram plant, den Gram im Dezember zu veröffentlichen. Zusätzlich gibt es einen Terminplan von Januar bis März 2019, innerhalb dessen der Gram an Börsen gelistet werden soll. Damit wäre er für jedermann verfügbar und – wichtig für ICO Investoren – handelbar.

Telegram Produkt Roadmap

Vielen ICOs wird zu Recht vorgeworfen, den Hype zur Erzielung von milliardenschweren Marktkapitalisierungen für ihre Tokens auszunutzen, ohne überhaupt ein Produkt anzubieten.

Auch der Tokenverkauf von Telegram wird stattfinden, bevor das Produkt des Unternehmens verfügbar ist. Die Tokens selbst werden herausgegeben, nachdem eine Reihe von Wegpunkten erreicht ist. Nach der groben Richtschnur des Unternehmens für Investoren sehen diese wie folgt aus:

  • 1. Quartal 2018 – Start der sicheren ID
  • 2. Quartal 2018 – MVP-Test des TON-Netzwerkes
  • 3. Quartal 2018 – Test- und Sicherheitsaudit von TON
  • 4. Quartal 2018 – Einführung einer stabilen TON-Version
  • 4. Quartal 2018 – Start der Telegram-Wallet
  • 1. Quartal 2019 – Betriebsaufnahme des TON-Wirtschaftssystems innerhalb von
    Telegram
  • 2. Quartal 2019 – Einführung der TON-Dienste, Speicherung und Proxy

Bis 2021 will Telegram zurücktreten und das Netzwerk von TON in ON umbenennen. Es soll dann von seiner Stiftung betreiben lassen. Das ist kein ganz ungewöhnliches Ziel für ICO Verkaufsprojekte.

„Telegram wird als Startplattform für TON dienen. Damit wird die technologische Überlegenheit und breite Annahme in den Anfangsphasen gesichert. Die Zukunft von TON liegt aber in den Händen der weltweiten Open-Source-Community“, schreibt das Unternehmen in dem Whitepaper.

Einzigartiger Telegram ICO

Es bleibt noch manches abzuwarten in Sachen des Telegram ICOs, aber schon jetzt ist eines klar. Frühe Meldungen, wonach der Telegram-Dienst in WeChat verwandelt werden sollte, werden der schieren Größe des Projektes nicht gerecht.

Telegram ist sich bewusst, welche einzigartige Position das Unternehmen als bevorzugte App in der Krypto-Community hat. Die Gründer von Telegram beabsichtigen, eine Plattform zu entwickeln, die in der Größe mit Ethereum vergleichbar ist. Ebenso wie die vielen anderen „Ethereum-Killer“, die etwa das letzte Jahr über gestartet wurden. Aber der Telegram-ICO soll nicht dazu dienen (endlich) Geld mit der hauseigenen Messaging-App zu verdienen, sondern eine eigenständige Plattform werden. Auf dieser Plattform sollen zukünftige ICOs, Kryptowährungen, dezentrale Apps und eine neue Art von zensurfreiem Internet aufbauen.

Die Frage ist – wie bei allen ICOs – ob die Theorie auch Realität werden kann. Technisch gesehen ist das sicher der Fall und Telegrams Prozesse und Protokolle werden nach wie vor entwickelt. Die ICO Roadmap spiegelt das wider. Große Markteinführungen, wie das Telegram-Wallet erfolgen erst später im Jahr und im Frühjahr 2019, wenn das auf TON basierende Wirtschaftssystem verfügbar wird. Das bedeutet auch, dass es keine größeren Hinweise darauf gibt, wann der öffentliche ICO beginnt.

In Anbetracht der Tatsache, dass nur wenige ICOs überhaupt ein Produkt am Markt haben, ganz zu schweigen von 170 Millionen Nutzern, kann man davon ausgehen, dass kryptoorientierte Investoren gerne eine Scheibe des Kuchens werden haben wollen. Wie die Vorverkäufe bei den mehr traditionell orientierten Risikokapitalanlegern ankommen, bleibt ebenfalls abzuwarten.

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