Russland gibt Tool zum Nachverfolgen von Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen in Auftrag

Die föderale russische Finanzüberwachungsbehörde („Rosfinmonitoring“) hat ein Unternehmen damit beauftragt, ein Analysetool zu entwickeln. Das Tool soll zum Nachverfolgen von Transaktionen in Kryptowährungen dienen. Dies berichtete BBC Russia.

Die Behörde benötigt das Tool zur Erweiterung ihrer Möglichkeiten zur Bekämpfung der Finanzkriminalität. Dabei soll das Tool dazu dienen, verdächtige Finanzaktivitäten in untersuchbare Daten zu verwandeln. So will man eine der großen Stärken der Kryptowährungen, die anonyme Übertragbarkeit, aushebeln.

Das Tracking-Tool soll Daten aus Bitcoin Wallets sowie von Transaktionen sammeln und verarbeiten. Diese Daten würden dann Teil von umfänglichen Berichten zu Verdächtigen. Diese Berichte sollen auch die Namen, Bankkonten, Einzelheiten zu Kredit- oder Kundenkarten und den Transaktionsverlauf enthalten.

 

Entwicklung des Tools kostet 3 Millionen USD

Rosfinmonitoring bezahlt 195 Millionen Rubel (rund 3 Millionen USD) an das Moskauer Institut für Sicherheit und Informationsanalyse (SPI). Mit dem Geld soll das Unternehmen das beschriebene Tool bis Ende 2018 entwickeln. Rosfinmonitoring ist dafür bekannt, dass man dort Bitcoin und ähnliche Kryptowährungen ablehnt. Bezeichnend ist, dass die Behörde 2014 versuchte, digitale Transaktionen als illegal einstufen zu lassen.

Russland selbst zeigt inzwischen jedoch eine sehr viel offenere Haltung gegenüber Kryptowährungen. Das gilt insbesondere, seit die USA wirtschaftliche Sanktionen gegen das Land verhängt haben. In Moskau ist man derzeit dabei, Regularien für Kryptowährungen und Initial Coin Offerings (ICOs) fertigzustellen. Damit sollen, Berichten zufolge, Kryptowährungen „in kontrollierter Menge“ als Zahlungsmittel zugelassen werden.

In dem Gesetzesentwurf spiegelt sich aber auch die Sorge, dass Personen Kryptowährungen für Aktivitäten in Graubereichen verwenden könnten. Dazu gehört etwa die Bezahlung von Bestechungsgeldern und Schwarzgehältern im Darknet. Das könnte ein Grund für das Interesse von Rosfinmonitoring an der Nachverfolgung sein.

 

Ist ein Tool zum Nachverfolgen von Bitcoin überhaupt sinnvoll?

Der Aufbau von Bitcoin macht es möglich, Transaktionsverbindungen zwischen zwei Wallets offenzulegen. Die Verfolgungsbehörden können dann die Wallet-Besitzer ermitteln und aufspüren. In Dänemark konnte man mit der dortigen, nach eigenen Angaben „bahnbrechenden“, Technologie bereits zwei Drogendealer festnehmen. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Entwicklung von Rosfinmonitoring nicht „bahnbrechend“ sein wird.

So sagte der bekannte Bitcoin Verfechter Andreas Antonopoulos:

„Die Frage ist nicht, ob Bitcoin reguliert werden soll oder nicht, sondern, ob es reguliert werden kann. Die wahre Antwort darauf lautet: «Nein». Alles andere ist Wunschdenken.“

Auch Anton Merkurov, der Chefredakteur von Satoshi.fm, glaubt nicht an eine solche Methode. Seiner Meinung nach ist der Versuch, illegale Kryptotransaktionen aufzuspüren, vertane Zeit. Es sei ähnlich wie das Auffinden einer Mikrobe mit einem Mikroskop in einem Wassertropfen.

Merkurov sagte gegenüber der BBC:

„Wenn man sich das Gesamtvolumen von gewaschenem Geld ansieht, ist der über Kryptowährungen gewaschene Teil minimal. Das sollte keine Priorität haben.“

Quellen: BBC Russia (in russischer Sprache), Bitcoin.com, TheLocal, Pixabay

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