Mehr Regulierung – der Schweiz droht der Verlust ihres Rufes als Cryptovalley

Die Schweiz gilt auf den Kapitalmärkten als sicherer Hafen. Jetzt hat man im Land jedoch vielleicht die Möglichkeit verspielt, auch zur Top-Adresse für Initial Coin Offerings (ICOs) zu werden. Die schweizerische Regierung hat Regulierungen gebilligt, die Start-up-Unternehmen davon abbringen sollen, im Land ICOs durchzuführen. Tim Draper, der bekannte Bitcoin Verfechter und frühe Investor in Tesla, SpaceX und Skype, hat das Land daraufhin von seiner Liste gestrichen.

Ende März fand in Zürich der Crypto ICO Summit statt. Im Rahmen dessen wandte sich der milliardenschwere Bitcoin Investor Tim Draper über Skype an das Publikum. In seiner Ansprache schilderte er seine Anlageerfahrungen mit in der Schweiz ansässigen Blockchain-Start-ups. Eines der von ihm unterstützten Projekte ist Tezos, eine neue dezentralisierte Blockchain, die sich selbst verwaltet, indem sie eine echte, digitale Gemeinschaft schafft. Das Unternehmen hatte jedoch bereits kurz nach seinem ICO mit Anschuldigungen zu kämpfen. Personen von inner- und außerhalb warfen Tezos irreführende Werbung und Missmanagement vor. Der bittere Streit zwischen den Gründern Arthur und Kathleen Breitman führte schließlich dazu, dass sich der Tezos-Stiftungspräsident, Johann Gevers, aus dem Projekt zurückzog.

Tim Draper ging in seiner Ansprache davon aus, dass die jüngsten Regulierungen den Ruf der Schweiz als Hafen für Blockchain Unternehmen gefährden könnten. Er hatte jedoch auch einige Vorschläge für die schweizerischen Behörden und erklärte:

„Trotz aller Schwierigkeiten wart ihr so kurz davor. Alle wollten ihre ICOs bei euch durchführen – ihr hättet es nur einfacher für alle machen müssen. Anstelle dessen kamen die Regulierungsbehörden, machten es schwieriger und legen weitere Steine in den Weg. Natürlich hat das dazu geführt, dass die Leute nach Singapur, Gibraltar oder auf die Kaimaninseln und an andere Orte gehen. Die Schweiz hat eine Riesenchance verspielt. Eine scharfe Regulierung vertreibt das Geschäft. Vielleicht kommen die Unternehmen zurück, wenn die Regulierungen gelockert werden. Die Regierungen stehen heute im Wettbewerb um uns. Wir sind beweglich und können von Land zu Land ziehen“.

Draper ging jedoch nicht ins Detail, warum seiner Meinung nach die Regulierungen der Schweiz schädlich für ICOs seien. Die schweizerische Finanzmarktaufsicht FINMA hatte im Februar 2018 Richtlinien aufgestellt, in denen es hieß, dass jeder ICO als Einzelfall beurteilt und es keine Einheitsregulierung geben werde.

Die neuen Regulierungsvorschriften der Schweiz führen drei Arten von Token auf: Zahlungs-Token, Nutzungs-Token und Anlage-Token. Zahlungs-Token müssen als Zahlungsmittel den existierenden Anti-Geldwäsche-Gesetzen entsprechen. Nutzungs-Token ermöglichen den Zugriff auf eine Applikation oder einen Dienst. Als solche werden sie nicht reguliert. Die Anlage-Token wiederum fallen unter die Wertpapiergesetzgebung, denn sie stellen eher Assets im herkömmlichen Sinne dar. Gleichzeitig unterliegen sie damit dem Schweizerischen Zivilgesetzbuch.

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