Telegram ICO stellt neue Rekorde auf: 2 Milliarden USD lautet das Ziel

Telegram auf dem Weg zu Milliardeneinnahmen aus ICO-Runden, ungeachtet der Untersuchung der SEC zur Finanzierungsmethode.

Obwohl der Initial Coin Offering (ICO) des weltweiten Messaging-Riesen Telegram erst seit vier Monaten läuft, ist er bereits dabei, 1 Milliarde USD einzubringen. Nun wurde bekannt, dass noch mehr Geld eingesammelt werden soll. Das geschieht ungeachtet dessen, dass das Produkt, für das die Firma die Finanzmittel verwenden will, noch nicht einmal fertig entwickelt ist. Die Geldbeschaffung aus der Anfangsrunde der Investoren hat den Launch zum größten aller Zeiten gemacht. Telegram möchte insgesamt über 2 Milliarden einnehmen, eine Summe, die den bisherigen größten Launch von Tezos (232 Millionen USD) weit überträfe.

Dieser Schritt erfolgt zu einer Zeit, zu der Behörden in aller Welt hart gegen einige ICOs vorgehen bei welchen es offensichtlich ist, dass Anleger hinters Licht geführt werden. ICOs sind ein neuartiger Weg zur Aufnahme von Millionen von Dollar in kurzen Zeiträumen. Seit Jahresbeginn hat die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC Vorladungen ausgesprochen und verlangt Auskunft zu Coinangeboten, die im Verdacht stehen, Gesetze verletzt zu haben. Problematisch ist dabei, dass es weitgehend unklar ist, wie die bestehenden Gesetze angewendet werden sollen. Ungeachtet dessen setzen Firmen wie Telegram ihre Angebote fort.

Telegram hat innerhalb der letzten zwei Monate 850 Millionen USD von einigen der größten Risikokapitalgeber des Silicon Valley erhalten. Nun möchte man in den nächsten Monaten weitere 850 Millionen einnehmen. Nach Angaben im Whitepaper der Firma soll dem eine dritte Finanzierungsrunde über 850 Millionen USD folgen.

Telegram erklärt in seinem Whitepaper, man wolle die erhaltenen Gelder dazu verwenden, eine neue Art eines globalen Rechennetzwerkes und eine Kryptowährung zu entwickeln. Diese soll auf dem Telegram Open Network (TON) basieren und die Eigenschaften existierender virtueller Währungen, wie Bitcoin und Ethereum, verbinden.

Einige der größten Risikokapitalgeber des Silicon Valley haben in das Projekt investiert. Dazu gehören, nach Angaben von zwei in das private Geschäft eingeweihten Personen, die jedoch anonym bleiben möchten, die Gesellschaften Benchmark, Sequoia und Kleiner Perkins. Auf der anderen Seite haben andere Venture-Capital-Gesellschaften, die in andere ICOs investiert haben, kein Interesse an der Investition gezeigt. Zu diesen Firmen zählen Union Square Ventures, Andreessen Horowitz, Greylock und Polychain Capital (so berichtete die New York Times).

Der größte Teil der Skepsis im Hinblick auf den ICO rührt daher, dass es nicht einmal einen Prototyp für das Projekt gibt. Es existiert lediglich ein Whitepaper, das umreißt, wie Telegram das Projekt zukünftig gestalten möchte. Das Firmenteam hat versprochen, die Software Ende dieses Jahres oder Anfang des nächsten Jahres zu veröffentlichen.

„Auch nach 132 Seiten habe ich nicht die leiseste Ahnung, wie man beweisen will, dass man die schwierigen Probleme, die gelöst werden müssen, auch wirklich lösen kann“, schrieb Charles Noyes, ein Analyst von Pantera Capital über das Telegram-Projekt.

Demgegenüber stehen die Befürworter des Telegram ICOs und des Projektes. Diese behaupten, das Entwicklerteam der Firma habe sich bereits bewährt. So habe man dort die ungeheuer beliebten Produkte VKontakte und Telegram geschaffen.

Die Telegram-App ist besonders in Ländern mit autoritären Regimen beliebt. Das liegt daran, dass alle Nachrichten garantiert verschlüsselt werden und so vor Herumschnüffeln durch die Regierungen geschützt sind. Diese privatsphärefreundliche Haltung hat die App bei vielen Teilnehmern im Kryptobereich beliebt gemacht.

Telegram möchte das über den ICO erhaltene Geld dazu verwenden, eine Plattform aufzubauen, die Ethereum Konkurrenz macht. Das Telegram Open Network (TON) soll ein eigenes Ökosystem werden, das Apps und Dienste ermöglicht, ebenso wie Geschäfte für physische und digitale Güter. Damit möchte Telegram anderen beliebten Zahlungssystemen ebenbürtig werden, die über andere weltweite Messagingdienste, wie etwa WeChat, aufgebaut wurden.

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